Richtig geknotet: Makramee erobert die Wohnzimmer

Türchen vom 18.12.2020

Richtig geknotet: Makramee erobert die Wohnzimmer

Von den Profilen der Influencer in den sozialen Netzwerken ist es fast nicht mehr wegzudenken: Makramee. Die Knüpftechnik, die ursprünglich aus dem Orient stammt, gehört zu den aktuellen Einrichtungstrends. Wer etwas Zeit übrig hat, kann mit nur wenigen Knottechniken Wandbehänge, Blumenampeln, auch Schmuck, Kleidung oder Rucksäcke ganz einfach selbst herstellen.
Trendexpertin Nicolette Naumann glaubt: Dass Makramee ausgerechnet jetzt so ein großer Trend geworden ist, hängt auch mit der Corona-Pandemie zusammen. „Do-it-yourself hat während Corona einen starken Aufschwung bekommen. Wir waren ja dazu verdonnert, uns in unseren Wohnungen aufzuhalten.“ Makramee sei dann für viele ein Ausgleich zur Arbeit daheim geworden, sagt die Bereichsleiterin der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt. Außerdem passe Makramee zum Zeitgeist und zum Thema Nachhaltigkeit, findet Neumann. Denn Makramee knüpft man in der Regel aus Baumwollgarn – ein nachwachsender Rohstoff.

„Meinen ersten Mini-Wandbehang habe ich vor Jahren aus Jutegarn geknotet“, erinnert sich Makramee-Expertin Stefanie Siebenländer, die ein Buch über die Knüpftechnik geschrieben hat. Zwei Grund-Knoten reichten schon aus, um einen Wandbehang knüpfen zu können. Neben dem passenden Garn, das man beispielsweise in einem Fachgeschäft kaufen kann, braucht man noch eine Schere sowie einen Dekoring aus Holz. Oder noch einfacher: einen Ast. Will man den selbst gemachten Wandbehang noch weiter verschönern, kann man wahlweise noch Perlen, Federn oder andere Accessoires einarbeiten.

Mit dem „umgekehrten Lerchenkopf-Knoten“ werden die Schnüre am Ast oder Dekoring befestigt, erklärt Siebenländer. Mit dem „Kreuzknoten“ flicht man anschließend die Schnüre dekorativ zusammen. „Fertig ist der Boho-Wandschmuck“, sagt die Makramee-Expertin. Allerdings gibt es Hunderte Knoten. Je mehr man beherrsche, desto ausgefallener und interessanter werde der (Wand-)Schmuck, sagt Siebenländer. „Aber es ist wirklich ganz einfach zu lernen.“

Auf der Video-Plattform Youtube findet man unzählige Anleitungen für Makramee. „Hat man die Grundsätze einmal begriffen, ist es sehr schnell möglich, nicht mehr nach Vorlagen zu arbeiten, sondern kreativ-intuitiv“, sagt Naumann. „Gerade bei Wandbehängen kann man Muster sehr frei umsetzen.“
Die Trendexpertin hat noch einen Extra-Tipp für Makramee-Garn: „Man kann sogar alte Kleidungsstücke in Streifen schneiden und daraus Makramee flechten.“ Für Armbänder biete sich hingegen dünnes, filigranes Garn an, für Blumenampeln eher festes, seilartiges Garn: „Das muss ja auch Gewicht halten können“, sagt Naumann. „Aber beim Material sind fast keine Grenzen gesetzt – das kann jeder so machen, wie er es für sich selbst am liebsten mag“, sagt die Expertin. Selbst Schurwolle kann verwendet werden.

Wer die Grund-Knoten erlernt hat, kann sich kreativ richtig austoben. Am häufigsten würden sicherlich Wandbehänge geknüpft, sind sich die beiden Makramee-Expertinnen sicher. Siebenländer aber hat eine andere Idee umgesetzt: Sie bereitet gerade Makramee-Christbaumschmuck vor. „Ich finde ja auch, dass sich das toll als Geschenk eignet.“
Passiert ein Fehler beim Knoten, kann dieser ganz leicht wieder aufgeknüpft werden. „Aber man sollte auf alle Fälle immer genügend Garn einplanen“, rät Siebenländer. Für einen Wandbehang können das schnell 100 oder 150 Meter sein – also eine ganze Menge.

Nina Kugler

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